Die Johannesschule Eschendorf - Ein historischer Rückblick


Die Johannesschule Eschendorf ist eng mit der Geschichte des Stadtteils Eschendorf verbunden.

Als die Textilindustrie nach Rheine kam, war Eschendorf lediglich eine kleine Bauernschaft. Die Ansiedlung von Fabriken diesseits der Ems hatte einen enormen Zuzug von Arbeitern zur Folge, unter anderem auch aus den angrenzenden Niederlanden, so dass die alte Aloysiusschule der Bauernschaft Eschendorf aus den Nähten platzte.

Im Jahre 1898 wurde eine neue Schule gegründet: die Johannesschule. Sie wurde an der Osnabrücker Straße hinter der heutigen Persiluhr errichtet, direkt gegenüber dem damaligen Werk IV, einer Weberei des Textilfabrikanten Gustav Werner. So gingen denn auch die meisten Schülerinnen und Schüler nach der achtjährigen Volksschulzeit in die Textilfabriken der Stadt, wo die Mädchen als „Baumwollmäuschen“ und „Spinnewibkes“ arbeiteten.

Erster Schulleiter der Johannesschule im preußischen Kaiserreich wurde Adolf Bussmann (1898-1925).
Das Kollegium zählte zu Beginn insgesamt lediglich 6 Lehrpersonen, drei Lehrer und drei „Fräuleins“.
Seit dem Schuljahr 1901/02 wurden jeweils 5 Klassen gebildet, je eine Knaben- und eine Mädchenoberklasse aus den Jahrgängen 5 – 8, je eine Knabenmittelklasse aus den Jahrgängen 2 – 4 und eine gemischte Unterklasse aus dem 1. Jahrgang. Im ersten Kriegsjahr 1915 bestand diese Klasse aus insgesamt 91 I-Männchen. Der Unterricht wurde schichtweise durchgeführt.
Selbstverständlich gab es für Jungen und Mädchen getrennte Schulhöfe. In den Anfangsjahren wohnten auch einige „Fräuleins“ in der Schule unter dem Dach. Ihren Namen erhielt die katholische Volksschule nach dem Brückenheiligen Johannes Nepomuk. Seine Statue, angefertigt von dem Rheiner Bildhauer Krautwald, steht heute in den Zwischenhalle der Schule.


Herr Michels mit seiner Klasse, 1926 vor der Luisenschule
 

In den letzten Jahren der Weimarer Republik leitete Dr. Karl Gosebruch (1927 – 1932) die Johannesschule, bis sie im Jahre 1932 von Dr. Joseph Schmidt (1932 – 1960) übernommen wurde, der ganze 28 Jahre ihr Schulleiter blieb. Dreimal wurde er zum Schulleiter ernannt, davon zweimal auf Lebenszeit (1932 in der Weimarer Republik und 1949 im Land NRW, 1946 kommissarisch durch die Alliierten).
Die Schulpolitik der Nationalsozialisten begann in Rheine sofort in der ersten Ratssitzung im März 1933 mit der Umbenennung der Schulen. Die katholische Johannesschule erhielt nun den alten heidnischen Flurnamen Stadtbergschule.
Der Religionsunterricht wurde aus der Schule herausgedrängt und die Johannesschule wurde wie alle Schulen zur Gemeinschaftsschule bestimmt. Die evangelische Luisenschule und die katholische Johannesschule wurden nun zu einem System zusammengefasst. Der evangelische Lehrer Bahrenhoff wurde als Konrektor an die Johannesschule versetzt.

Bereits 1932 hatten nationalsozialistische Eltern versucht, mit einer „Christlichen Liste“ bei der Elternbeiratswahl an der Johannesschule die „Katholische Liste“ auszuschalten und die Schule zu politisieren. Dies war aber nach einer Rede des Pfarrers der Basilika gescheitert. In seiner Rede hob Pfarrer Tappe den Rassegedanken als Leitziel der Nationalsozialisten hervor, die den Eltern das Recht der Erziehung streitig machten.
Es ist als eines der wesentlichen Verdienste des Schulleiters Dr. Schmidt zu sehen, die Rasselehre weitestgehend aus dem Unterricht der Johannesschule herausgehalten zu haben. Seine Haltung zeigt sich auch darin, noch 1937 die kirchliche Lehrerlaubnis zu erwerben und auch den Bischof von Münster in der Schule zu empfangen.
Um den Raummangel der Johannesschule zu beheben und um ihren Einfluss auszudehnen, gründeten die Nazis 1940 an der Osnabrücker Straße eine neue eigene Schule, die Hans-Schemm-Schule (im Volksmund damals Schemberlein-Schule genannt), von der aber im Krieg nur der 1. Bauabschnitt verwirklicht wurde. Die abgeschnittene Giebelseite an der Ludwigstraße, inzwischen verklinkert, zeugt noch heute davon. Nach dem Krieg wurde die Schule in Overbergschule umbenannt und 1960 übernahm die Johannesschule das Gebäude der 20 Jahre zuvor gebauten Hans-Schemm-Schule.
Der Krieg endete an der Johannesschule mit Unterrichtsausfall, Kinderlandverschickung und Schulschließung. Vier Schüler kamen 1943 bei einem Bombenangriff ums Leben. Nach dem Krieg erhielt die Johannesschule ihren alten Namen zurück und wurde als Bekenntnisschule wieder hergestellt.
Nach der Pensionierung (1960) des Rektors Josef Schmidt leitete Konrektor Anton Spangenmacher bis 1961 kommissarisch die Schule. Neuer Rektor wurde Fritz Brauner (1961 – 1981).
Erleichterung für die Klassenraumnot brachte am Ende des Jahres 1962 der Anbau mit 4 hellen Klassenräumen, einem Werkraum und einem Film-Naturkunde-Raum.
Endlich hatte jede Klasse ihr eigenes Klassenzimmer.



1. Schuljahr 1949 mit Lehrer Klassert


Die Neuordnung des Volksschulwesens in NRW gliederte 1968/69 die Volksschulen in Grund- und Hauptschulen.
Die Johannesschule wurde eine Gemeinschaftsgrundschule, die sofort dreizügig mit 466 Kindern startete.
Vom bisherigen Kollegium blieb nur Rektor Fritz Brauner.
Seit Beginn des Schuljahres 1972/73 gehört der Schulkindergarten für die Kinder rechts der Ems zur Johannesschule.

Von 1981 bis 1995 war Josef Lückemeier Rektor der Johannesschule.
In seiner Amtszeit begann im Rahmen der Euregio-Städtepartnerschaft 1989 der Austausch mit der niederländischen Partnerschule St. Aegidius in Hertme/Borne.

Durch veränderte gesellschaftliche und familiäre Strukturen wurde der Wunsch nach einer verlässlichen Schulzeit laut. Eine Betreuung vor und nach dem Unterricht von 7.30 bis 14.00 Uhr wurde nach einem Ratsbeschluss der Stadt Rheine mit Beginn des Schuljahres 1994/95 auch an der Johannesschule eingerichtet.

Im August 1995 wurde Angelika Fenk-Stein als erste Rektorin der Johannesschule eingeführt.
Zu Beginn des Schuljahres 1999 waren 14 Lehrkräfte, und 2 Sozialpädagoginnen des Schulkindergartens tätig. In insgesamt 12 Klassen (3 Klassen pro Jahrgangsstufe) und 2 Schulkindergartengruppen wurden 300 Kinder unterrichtet. Die Gruppen der Betreuung vor und nach dem Unterricht wurden von 2 Erzieherinnen und 2 Mitarbeiterinnen des Jugend- und Familiendienstes geleitet und waren im Nachbargebäude der ehemaligen Luisenschule untergebracht.

Literatur:
Die Geschichte der Johannesschule ist in ihrer Chronik und in ihren Protokollen dokumentiert, die von 1898 bis heute fortgeschrieben werden.
Dargestellt ist die Geschichte der Johannesschule ausführlich in der Festschrift zum 100jährigen Jubiläum, die Ulrich Baggemann und Angelika Fenk-Stein 1998 erstellt haben. Ein Literaturverzeichnis ist enthalten.

Die Festschrift kann im Sekretariat der Schule erworben werden.